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100 % Luftfeuchtigkeit

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Vollständig mit Wasser gesättigte Luft steigert das Risiko eines Schimmelbefalls an Wänden und Decken. Das ist weithin bekannt. Aber was bedeutet das eigentlich, wenn man von einer vollständigen Sättigung der Luft spricht, und warum sind 100 % Luftfeuchtigkeit ein Problem? Antworten auf diese Fragen liefert der folgende Artikel.

Wann ist Luft komplett gesättigt?

Komplett mit Wasser gesättigte Luft hat eine Luftfeuchtigkeit von 100 %. Das bedeutet, dass sie ihre maximale Kapazität zur Wasserspeicherung erreicht hat. Wird ihr weiter Wasser beziehungsweise Wasserdampf zugeführt, kann sie die Zusatzmenge nicht mehr speichern. Das Wasser kondensiert: in einer Wohnung beispielsweise an Wänden und Decken. Mit 100 % Luftfeuchte ist die sogenannte relative Luftfeuchtigkeit gemeint, die theoretisch Werte zwischen 0 und 100 % einnehmen kann.

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Ein Feuchtigkeitswert von beispielsweise 40 % bedeutet: Die tatsächliche Menge an Feuchtigkeit in der Raumluft entspricht 40 % der maximalen Speicherkapazität. Aber wie hoch ist die maximale Speicherkapazität der Luft in absoluten Zahlen? Antwort: Das hängt von der Lufttemperatur ab.

Niedrigere Lufttemperatur: geringere Speicherkapazität

Je niedriger die Lufttemperatur ist, desto weniger Wasserdampf kann die Luft speichern. Bei einer Lufttemperatur von 0 Grad Celsius liegt die maximale Speicherkapazität zum Beispiel bei 4,8 Gramm pro Kubikmeter (g/m³). Ist dieser Wert erreicht, herrscht bei dieser Lufttemperatur 100 % Luftfeuchtigkeit. Bei einer Lufttemperatur von 30 Grad Celsius beträgt die maximale Speicherkapazität aber bereits 30,3 g/m³. 4,8 g/m³ sind nur noch etwa 15,84 % dieses bei 30 Grad Celsius maximal möglichen Werts.

Das bedeutet: Steigt die Lufttemperatur bei gleichbleibender absoluter Menge an Feuchtigkeit in der Luft (z.B. 4,8 g/m³), dann sinkt die relative Luftfeuchte.

Kühlt die Wohnung bei gleich bleibender absoluter Feuchtigkeit ab, steigt der relative Feuchtigkeitswert. Im ungünstigen Fall wird so aus einem guten Raumklima mit optimalen Feuchtigkeitswerten ein schlechtes.

Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Luftfeuchtigkeit

Die oben dargestellte Beziehung zwischen Lufttemperatur und -feuchtigkeit macht deutlich, wie viele Faktoren sich auf den relativen Feuchtigkeitswert im Raumklima auswirken können. Alles, was die absolute Feuchtigkeitsmenge und die Lufttemperatur verändert, wirkt sich zugleich auf die relative Luftfeuchte aus. So kann etwa der Luftaustausch zwischen innen und außen sowohl die Temperatur als auch die Feuchtigkeit verändern.

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Bei Tätigkeiten wie Baden, Kochen oder Waschen steigt die absolute Feuchtigkeit. Einige Pflanzen geben ebenso Wasser an die Raumluft ab wie jeder Mensch und jedes Tier. Sie erhöhen den Grad der Sättigung von Raumluft mit Wasser, falls nicht andere Faktoren dagegenwirken. Materialien wie Katzenstreu binden Feuchtigkeit und können den Sättigungsgrad unter Umständen senken. Bei alledem ist aber noch etwas wichtig.

Feuchtigkeitswerte sind nicht überall in einem Raum gleich

Für die meisten Räume einer Wohnung gelten Feuchtigkeitswerte zwischen 40 und 60 % als optimal für ein gutes Raumklima. Im Badezimmer und Keller kann die Feuchtigkeit auch etwas höher ausfallen.

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Gemessen werden die Werte mit einem Hygrometer oder Hygrograph. Letzterer misst Messwerte nicht nur, sondern zeichnet sie zusätzlich auf. Die Extremwerte von 100 oder 0 % werden als Durchschnittswerte im Raum so gut wie nie erreicht. Das bedeutet allerdings nicht, dass eine komplette Sättigung der Raumluft an allen Stellen der Wohnung unmöglich ist.

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An verschiedenen Orten der Wohnung ist es in der Regel unterschiedlich warm, sodass sich unterschiedliche Feuchtigkeitswerte ergeben. Eventuell misst man an einer Innenwand eines Raums den relativen Feuchtigkeitswert X. An der etwas kühleren Außenwand ist der relative Feuchtigkeitswert dann aber höher. Hier wird der Begriff „Taupunkt“ wichtig.

Was ist der Taupunkt?

Als Taupunkt wird die Temperatur bezeichnet, bis zu der eine gegebene Raumluft mit einer bestimmten relativen Feuchtigkeit abkühlen muss, damit sich 100 % Luftfeuchte ergeben. Der Feuchtigkeitswert liegt vielleicht in einem schlecht gedämmten Haus in Heizungsnähe bei 70 % und erreicht auf der Innenseite der Außenwand den Taupunkt. Dort kondensiert dann Wasser und es kann sich Schimmel bilden.

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Eine gute Dämmung verhindert das. Eine schlechte kann aber durchaus auch zu einem Problem werden. Das gilt zum Beispiel bei schlecht ausgeführter Innendämmung. Bei einem ungedämmten Haus strömt relativ viel Wärme aus dem Rauminneren nach außen. Das lässt die Heizkosten stark ansteigen, was natürlich schlecht ist. Möglicherweise ist die Außenwand im ungedämmten Haus aber noch warm genug, sodass die Luft den Taupunkt erst draußen erreicht. In Bezug auf Schimmelbildung ist das unproblematisch. Eine schlechte Innendämmung hält die Wärme zwar im Raum und senkt die Heizkosten. Allerdings schirmt sie die Innenseite der Außenwand zugleich vor der Wärme im Raum ab. Sie wird kühler.

Das verlagert den Taupunkt eventuell in den Bereich zwischen der Dämmschicht (z.B. Styroporplatten) und der Innenseite der Außenwand.

Dort wird dann 100 % Luftfeuchtigkeit erreicht, sodass Wasserdampf kondensiert. Das erhöht das Risiko deutlich, dass sich Schimmel in diesem Bereich bildet. Aus diesem Grund muss man bei einer Reihe von Maßnahmen zur Sanierung und Modernisierung an einem Haus beachten, ob und (falls ja) wie sie den Taupunkt verschieben.

Schimmelpilze brauchen Nahrung und Wasser

Schimmelpilzsporen benötigen organische Materialien und Feuchtigkeit für ihr Wachstum. Passende organische Materialien sind zum Beispiel Papiertapeten, Ledermöbel sowie Möbel und Fensterrahmen aus Holz. Kondensiert an solchen Stellen Wasser, sind alle Voraussetzung für eine Schimmelbildung gegeben. Letztlich ist deshalb jede Stelle eines Raumes, an der 100 % Luftfeuchtigkeit herrscht, ein Problem, weil Schimmel und Feuchtigkeitsschäden in der Bausubstanz drohen.

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Eine gute Maßnahme gegen eine zu hohe Luftfeuchte kann unter bestimmten Umständen ein verändertes Lüftungsverhalten sein. Auch andere Verhaltensänderungen sind manchmal hilfreich, wenn sie den absoluten Feuchtigkeitswert senken. Wer etwa Wäsche in der Wohnung trocknet, sucht künftig besser eine andere Lösung. In einigen Fällen sollte man über den Kauf eines Luftentfeuchters nachdenken. Für kleinere feuchte Bereiche helfen bisweilen bereits die, die man im Supermarkt für ein paar Euro kaufen kann.

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Ist der Problembereich größer, helfen elektrisch betriebene Luftentfeuchter. Sie erhält man mit ausreichender Kapazität für die meisten Wohnräume für einige Hundert Euro. Im Extremfall muss man sich für bauliche Maßnahmen entscheiden, etwa wenn eine fehlerhafte Innendämmung die Ursache für die zu hohen Feuchtigkeitswerte sind.