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Fenster beschlagen zwischen den Scheiben

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Durchdacht positionierte Fenster dürfen in keiner Wohnung fehlen – bieten sie uns doch nicht nur einen schönen Ausblick, sondern erhellen die Wohnung oder das Haus tagsüber durch natürliches Licht. Außerdem sind sie wichtig für die Wohnraumbelüftung. Doch leider beschlagen insbesondere Doppelfenster zwischen den Scheiben nicht selten so intensiv, dass sie keinen ausreichenden Durchblick mehr zulassen. Wo liegen die Gründe dafür?

Trübe Aussichten

Fenster beschlagen zwischen den Scheiben? Um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen, stellt sich zunächst die Frage, warum Fensterscheiben grundsätzlich dazu neigen, anzulaufen. Denn dabei handelt es sich keinesfalls um übernatürliche Ereignisse, sondern recht simple physikalische Vorgänge. So existiert zwischen dem Raumklima und den Umweltbedingungen in der Regel ein gewisser Temperaturunterschied. Und da jedes komplexe System zum allgemeinen Ausgleich strebt, lässt sich jener Unterschied immer zuerst an den Fenstern registrieren.

Nun kommt die Luftfeuchtigkeit ins Spiel: Vor allem im Frühling lassen die während der Nachtstunden stark abfallenden Außentemperaturen kleinere Pfützen verdampfen, die sich in den noch warmen Luftschichten in Bodennähe anreichern und dort als sichtbarer Bodennebel hervortreten. Dieser lässt sich im Verlauf des Vormittags in Form von Tau wieder auf der lokalen Flora nieder oder kondensiert zuvor an den vergleichsweise warmen Fenstern.

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Sollten die Scheiben jedoch von innen beschlagen, liegt die Ursache auf der anderen Seite. So ist dies ein klares Anzeichen dafür, dass der Anteil der Luftfeuchtigkeit in der Wohnung nicht ausreichend ausbalanciert wurde. In den Wohnräumen sollte sie sich grundsätzlich zwischen 40 und 60 Prozent einpendeln, wenngleich beim Kochen und Duschen selbstverständlich viel Wasserdampf entsteht, sodass der Wert kurzfristig auch schon einmal auf 75 Prozent hochschnellen darf.

hygrometer

Aus gesundheitlicher Sicht ist es jedoch ungünstig, wenn die Scheiben regelmäßig von innen beschlagen. So sammelt sich die Feuchtigkeit nicht nur an den Fensterscheiben, sondern darüber hinaus auch an den daran angrenzenden Außenwänden und deren Tapeten. Dort bildet sich recht schnell Schimmel, deren Sporen bleibende Allergien auslösen können.

Digitales Hygrometer

Ein digitales Hygrometer (analysiert den Anteil der Feuchtigkeit in der Raumluft) und ein zumindest mobil einsetzbarer Luftentfeuchter mit den üblichen Grundfunktionen sollte daher in keinem deutschen Haushalt mit einfach verglasten Scheiben fehlen.

Segen und Fluch zugleich: Doppelverglaste Fenster

Fenster, die doppelverglast daherkommen, drängten nicht zuletzt aus diesem Grund seit Ende der 1970er verstärkt auf den Markt. Dabei sind zwei einfache Scheiben parallel zueinander angeordnet zwischen denen sich ein kleiner Luftspalt befindet. Wobei Luft hier nicht wörtlich interpretiert werden sollte: Denn um zu vermeiden, dass die Fenster beschlagen werden zwischen den Scheiben hochwertige Edelgase platziert, in den meisten Fällen Argon.

Ein positiver Nebeneffekt jener Errungenschaft ist ihre isolierende Wirkung: So stehen doppelverglaste Fenster in dem Ruf, recht schalldämpfend und klimafreundlich daherzukommen. Immerhin trennt die Isolierschicht zwischen den Scheiben Außenwelt und Wohnung effektiv voneinander ab, sodass weniger Heizkosten entstehen. Auf der anderen Seite weisen sie mit ihrem mitunter porösen Fensterkitt einen entscheidenden Schwachpunkt auf. Sobald sich in diesem auch nur feinste Haarrisse zeigen, entweicht das isolierende Edelgas, woraufhin sich Luft und Feuchtigkeit zwischen den Fensterscheiben ansammeln. Die direkte Folge: Die Fenster beschlagen sowohl zwischen den Scheiben als auch von außen.

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Um diesem Umstand abzuhelfen, müsste der Kitt im Prinzip lediglich mit etwas Acryl- oder Silikonmasse ausgebessert werden. Wenn denn nicht die Luft und verbliebene Rest-Feuchtigkeit zwischen den Fensterscheiben weiterhin für trübe Aussichten sorgen würde. Dafür ist nach dem Abdichten ein winzig kleines Loch in die Scheibe zu bohren, durch das mithilfe spezieller Pumpen zunächst ein Vakuum entsteht, welches anschließend wieder mit Edelgasen aufgefüllt wird. Dass erfahrene Monteure jene Arbeitsschritte bedeutend sicherer und schneller ausführen können, als ungeübte Hobbyheimwerker steht dabei außer Frage. Zudem sind die Ausbesserungstätigkeiten mit etwa 100 Euro pro Einsatz nicht sehr kostspielig.

Aufgrund des real existierenden Fachkräftemangels warten Eigenheimbesitzer inzwischen jedoch mitunter monatelang darauf, dass ein Monteur ihnen eine kostbare Audienz gewährt. In der Zwischenzeit sind halt wieder althergebrachte Methoden vonnöten, um zu vermeiden, dass die Fenster beschlagen und zwischen den Scheiben weitere Feuchtigkeit kondensiert. Zudem entwickelt eine bereits einmal ausbesserte Scheibe in der Folgezeit zumeist weitere kleine Defizite, was nicht selten in einem nicht enden wollenden Teufelskreis mündet. Verantwortungsvolle Monteure empfehlen daher heutzutage grundsätzlich den Einbau völlig neuer Doppelfenster, wenn die alten schon einmal von innen beschlagen waren.

Neue Doppelfenster braucht die Wohnung

Vor dem Hintergrund, dass die Mehrzahl der sich heute im Einsatz befindenden doppelverglasten Fensterscheiben noch vor dem Inkrafttreten der Energieeinsparverordnung (EnEv) installiert wurden, klingt dieser Gedankengang allerdings schon ziemlich abwegig. So verschlangen die Produkte bei der Installation und insbesondere der Anschaffung seinerzeit sehr hohe Summen. Inzwischen gelten sie jedoch als Standardausführung, sodass kostengünstige Modelle bereits ab 50 Euro erhältlich sind. Selbst diese erfüllen unter Umständen schon die energetischen Voraussetzungen dafür, um bei der KfW-Bank öffentliche Fördergelder beantragen zu können. Wer aber schon zu jener Investition bereit ist, um zu verhindern, dass die Fenster auch in Zukunft beschlagen werden, sieht sich vielleicht schon recht bald mit der Frage konfrontiert, ob es denn nicht auch eine Scheibe mehr sein darf.

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Aller guten Dinge sind drei

Was uns schließlich zur neuesten Entwicklung der Glas-Industrie führt: Der Fensterscheiben mit Dreifachverglasung. Sie wurden ursprünglich zwar ausschließlich dazu entwickelt, den ständig ansteigenden Lärmpegel in unseren Innenstädten wirkungsvoll auszugleichen und daher lange Zeit als sogenannte „Schallschutzfenster“ beworben. Dabei bieten sie zahlreiche Vorteile, wie etwa erhöhten Einbruchschutz: Drei Scheiben sind ganz einfach sicherer und klirren vor allem öfter als zwei. So manch garstiger Gelegenheitsdieb brach sein Vorhaben angesichts mehrfachverglaster Objekte daher schon im Ansatz ab und begab sich auf die Suche nach einem leichter zugänglichen Tätigkeitsfeld.

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Allerdings hat auch diese Ausführung so ihre Tücken: So ist der Montage-Aufwand für Produkte mit Dreifachverglasung schon etwas erhöht. Zudem ist bei ihrer Anschaffung mit einigen Mehrkosten zu rechnen. Aufgrund der verbesserten Isolation und der damit einhergehenden maximierten Energieeinsparung, amortisieren sie sich jedoch innerhalb weniger Jahre nach dem Einbau.

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Die Wirkung auf das allgemeine Raumklima darf man jedoch besonders bei dieser Ausführung keinesfalls unterschätzen: Die maximale Isolation von der Außenwelt schirmt schließlich nicht nur die erzeugte Wärme, sondern auch die darin gebundene Luftfeuchtigkeit ideal ab. Unabhängig davon, ob die Fensterscheiben in der Wohnung nun dreifach- oder doppelverglast daherkommen, empfiehlt es sich daher grundsätzlich, das Raumklima mittels elektrischer Luftentfeuchter zu korrigieren. Zumindest dann, solange sich tagsüber niemand dauerhaft im Gebäude aufhält, um regelmäßig zu lüften.

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Eine weiterentwickelte Alternative davon entstammt dem Produktsortiment der deutschen Klimatechnik: Das Klimagerät bzw. die fest installierte Klimaanlage. Dort wurden die Vorzüge der Lüftungstechnik inzwischen ebenfalls registriert und für die eigenen Zwecke okkupiert. Somit garantiert die aktuelle Klima-Technik nicht nur dafür, dass die deutschen Eigenheimbesitzer in jeder Situation einen kühlen Kopf bewahren, sondern filtert zugleich noch zahlreiche Staubkörner und überflüssige Feuchtigkeit aus der Raumluft.

Im Augenblick scheinen Produkte mit Dreifachverglasung daher die ausgewogenste Kombination von Eigenschaften aufzuweisen. Dennoch gilt es zu berücksichtigen, dass die Bundesregierung die Ziele der Energiewende an sich ständig aktualisierende Gegebenheiten anpassen muss, sodass selbst Dreifachfenster vielleicht schon in naher Zukunft von noch effizienteren Modellen abgelöst werden müssen.