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Hausschwamm bekämpfen

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Die Wohnhäuser Mitteleuropas befinden sich im Stadium der Auflösung. Zumindest, wenn man den Verlautbarungen der Gesundheitsministerien Glauben schenkt, nachdem unsere Wohnstätten bis zu 60 verschiedene Pilzarten beherbergen können, von denen echter Holzschwamm ein besonders hohes Potential zur Zersetzung der Gebäudestrukturen aufweist. Wie man ihn bekämpfen, seinem Wachstum vorbeugen kann und warum er gerade unsere Breitengrade heimsucht, verdeutlicht unser Magazinbeitrag.

Mitbewohner des Grauens

Dabei gilt es zunächst festzuhalten, dass Biologen diese Pilze nicht prinzipiell als Schädlinge einstufen. So zählen Hausschwämme im weitesten Sinne zur Familie der Braunspor-Rinden-Pilzartigen, die in bewaldeten Gebieten beheimatet sind und dort in friedlicher Symbiose mit unseren heimischen Baumarten existieren. Durch die zunehmende Verengung seines Lebensraumes mutierte er während der industriellen Revolution jedoch zum reinen Holzfäulepilz, der überwiegend in Altbauten zu finden ist. Schließlich findet er dort beinahe ideale Wachstumsbedingungen vor: Der Schwamm bezieht seine Nährstoffe fast ausschließlich aus totem Holz, dessen Struktur er zunehmend destabilisiert und letzten Endes völlig auflöst. Sehr feuchtes Holz, insbesondere solches, das von Nadelbäumen stammt, stellt dabei sein Lieblingsopfer dar. Im Prinzip fühlt er sich aber in jedem organischen Material, wie Textilien, Spanplatten, Papier oder Stroh pudelwohl, sobald dieses die kritische Feuchtigkeits-Sättigung von 40 Prozent überschreitet. Zumindest bekommt der Pilz auf jene Art schon einmal einen Fuß in die Tür bzw. ins Holz. Um sich umfassend ausbreiten zu können, benötigt echter Hausschwamm allerdings noch wohlige Temperaturen von mindestens 21 Grad.

So könnte ein Hausschwammbefall aussehen
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Sind beide Aspekte gegeben, nimmt das Chaos seinen Lauf: Befallenes, feuchtes Holz bekommt Risse und zerbröselt zusehends. Auf seiner Oberfläche werden sich zunächst leichte, bräunliche Verfärbungen feststellen lassen, aus denen später der orange/ockerfarbene Fruchtkörper herausquillt. An diesem Punkt wird es bereits äußerst schwer, den Hausschwamm zu bekämpfen. Schließlich haben sich seine Stränge über den ursprünglich befallenen Holz-Balken hinaus wohl schon ins anliegende Mauerwerk und dessen Tapeten verlagert. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen kann der Holzfäulepilz somit bis zu 1,5 cm Breite erreichen und über einen Meter lang werden. In diesem Stadium zeigt der Mitbewohner des Grauens zudem seine tückische Seite: Der voll ausgebildete Pilz scheidet die aus dem Nährmedium gewonnene Flüssigkeit über den Fruchtkörper tröpfchenweise wieder aus, wodurch wiederum die Luftfeuchtigkeit erhöht wird. Der Hausschwamm schafft sich also sozusagen seine eigene Wohlfühlatmosphäre und macht seinem Namen somit alle Ehre. Im weiteren Verlauf arbeitet er sich durch die einzelnen Stockwerke zum Dachstuhl vor und beeinträchtigt die Gebäudesubstanz unter Umständen so stark, dass Einsturzgefahr droht. So mancher Eigenheimbesitzer mag angesichts dieser Zustände schon in den Gedanken verfallen sein, das Haus anzuzünden, um den Hausschwamm zu bekämpfen. Zum Glück handeln professionelle Schädlingsbekämpfer doch etwas überlegter und weniger gravierend.

Befallene Holzteile sollten entfernt werden
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Ein wahrhaft hartnäckiger Champion

Dabei ist der Gegner, den sie dort zu bekämpfen haben, keinesfalls zu unterschätzen: So ernannte die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) den Hausschwamm unter anderem deswegen zum Pilz des Jahres 2004, weil er bei ungünstigen Umweltbedingungen nach dem Keimen bis zu 10 Jahre inaktiv überdauern kann und aufblüht, sobald sich die Situation zum Besseren wendet. Daher muss man schon dementsprechend gründlich und engagiert zu Werke gehen, um Hausschwamm zu bekämpfen. Im ersten Schritt wird die vom Pilz befallene Bausubstanz dabei mittels Endoskopie untersucht, um festzustellen, wie feucht und geschädigt sich die Ausgangssituation darstellt. Diese ist anschließend großflächig (laut Norm bis zu einem Meter über den befallenen Bereich hinaus) abzutragen, wobei selbst kleinste Bestandteile, wie Dübel miteingeschlossen werden müssen. Im Zuge dessen ist zudem darauf zu achten, dass

  • sämtliche Einrichtungsgegenstände aus den befallenen Räumen entfernt werden.
  • dort gelagerte Lebensmittel und Kosmetikartikel nicht mehr verwendet werden.
  • daran angrenzende Zimmer staubdicht abzuschranken sind.
  • unter Umständen selbst der Bodenbelag abgetragen und erneuert werden muss.

Nachdem feuchtes Holz und Mauerwerk freigelegt wurden, geht es aber richtig heiß her: Der Pilz und dessen Sporen sterben nämlich erst bei Temperaturen ab 50 Grad restlos ab. Demnach war die Idee, das Gebäude in die olympische Fackel zu verwandeln, doch nicht völlig abwegig. Schädlingsbekämpfer errichten zu diesem Zweck tatsächlich so eine Art Scheiterhaufen, den sie schließlich mit dem Gasbrenner traktieren. Falls der Befall noch keine apokalyptischen Ausmaße angenommen hat, lassen sich aber auch mit Lösungsmitteln auf Borbasis sehr gute Ergebnisse erzielen, um Hausschwamm zu bekämpfen. In beiden Fällen können neue Balken aber erst eingesetzt werden, wenn der Pilz definitiv ausgemerzt wurde.

Der Hausschwamm versteckt sich oft hinter Abdeckungen
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Wie es sich für einen wahren Champion gehört, wird der Holzfäulepilz jedoch sein Möglichstes unternehmen, um sich nicht im Ganzen bekämpfen zu lassen. Daher nistet er mit Vorliebe an Orten, die dauerhaft feucht, lichtundurchlässig und windgeschützt daherkommen, etwa hinter Wandverkleidungen und Fußleisten. Demnach ist es grundsätzlich von Vorteil, es gar nicht erst bis zu diesem Punkt eskalieren zu lassen.

Geben Sie dem Hausschwamm keine Chance

Um den Hausschwamm nicht bekämpfen zu müssen, zumindest nicht mit professioneller Unterstützung, muss man sich aber zunächst damit beschäftigen, warum er überwiegend das Holz in Kellerräumen befällt. Bei Altbauten ist der Fall relativ klar: Die verwinkelten Untergeschosse der Vorkriegsarchitektur erschweren effektives Lüften erheblich, sodass sich dort besonders in den Sommermonaten erhöhte Luftfeuchtigkeit registrieren lässt. In Neubauten erhält der Holzfäulepilz das lebensnotwendige Elixier dagegen in der Regel nach Wasserrohrbrüchen oder starken Regengüssen. In all diesen Fällen hat sich der Einsatz mobiler Luftentfeuchter bewährt, um die Luftfeuchtigkeit im Keller dauerhaft unter die kritische Grenze von 95 Prozent zu drücken. Jene Gerätegruppe wurde klassischen Lüftern nachempfunden, kann aber mit einem verblüffend simplen Zusatz aufwarten: Chemische Kühlmittel im Geräteinneren senken die Temperatur der angesaugten Luft blitzschnell ab und lassen die darin enthaltene Feuchtigkeit kondensieren. Sollte bei Neubauten jedoch festgestellt werden, dass die Bausubstanz nicht ausreichend aushärtete, wird selbst dieses Hilfsmittel an seine Grenzen geraten. Da kann letztlich nur noch der große Bruder des Luftentfeuchters, der industrielle Baulüfter, für trockene Verhältnisse sorgen. Abseits jener akuten Situationen haben sich folgende vorbeugende Maßnahmen darin bewährt, dem Hausschwamm jegliche Chancen zu nehmen:

  • regelmäßiges Quer-Lüften der Kellerräume
  • intensives Heizen während der Wintermonate, auch in Gebäudeteilen, die währenddessen nicht bewohnt werden
  • dort, wo der Pilz schon einmal wucherte, sollte man im Zuge der Renovierung auf den Einsatz widerstandsfähiger Harthölzer, wie Eiche, Buche oder Tropen-Holz bestehen
  • die Reparatur undichter Wasserrohre und Regenrinnen sowie defekter Dachschindeln sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden
  • Brennholz und Kartons speichern Feuchtigkeit und sollten daher außerhalb des Kellers gelagert werden

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Dass man damit auf keinen Fall zu sorglos umgehen sollte, verdeutlicht der Blick auf die möglichen finanziellen Konsequenzen.

Gemein: Hausschwamm räumt Konten leer

So können sich in Kellerräumen selbstverständlich auch andere Pilzarten, wie Moderfäule, der Porenschwamm und die Braunfäule ansiedeln, die erheblich weniger aggressiv daherkommen und einfacher zu entfernen sind. Wenn sich echter Hausschwamm allerdings erst mal eingenistet hat, wird es richtig teuer: Schon die endoskopische Untersuchung fällt mit mindestens 300 Euro zu Buche, während die Vollsanierung eines durchschnittlichen Eigenheims bis zu 30.000 Euro verschlingen kann. Einen Teil davon kann man zwar bei der Wohngebäudeversicherung geltend machen, allerdings nur so lange man zweifelsfrei nachweisen kann, dass kein Eigenverschulden vorliegt. Im Vergleich dazu, lassen sich handelsübliche Luftentfeuchter quasi zum Schnäppchenpreis (200 – 300 Euro) erwerben. Darüber hinaus stufen die deutschen Bauämter den Pilzbefall als schweren Baumangel ein. Solche unterliegen zwar nicht der Meldepflicht, müssen einem potentiellen Kaufinteressenten jedoch mitgeteilt werden, um einer rückwirkenden Kaufpreisminderung vorzubeugen. Demnach verhält es sich mit dem Hausschwamm wie mit Substanzen, die gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen: Zu Beginn mögen sie zwar lustige Farben und Formen hervorbringen, letzten Endes fordern sie jedoch einen sehr hohen Preis.