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Warum Lehmputz im Bad die Luftfeuchtigkeit beeinflusst

Lehmputz hat Eigenschaften, die ihn als klimaregulierenden Wandputz auszeichnen. Er beeinflusst die Luftfeuchtigkeit und hält sie oft im optimalen Bereich. Geeignet ist er selbst im Bad. Auch dort kann er mit seinen guten Eigenschaften das Raumklima verbessern. Allerdings stoßen selbst Lehmputze bisweilen an ihre Grenzen. Manchmal muss dann professionelle Klimatechnik die Regulierung unterstützen.

Was ist eigentlich Lehmputz?

Lehm ist der Hauptbestandteil des Putzes. Dieser besteht wiederum aus Sand, Ton und Schluff. Sand ist ein Gemisch aus Mineralkörnern, deren Größe zwischen 0,063 und 2 Millimetern liegt. Schluff ist kleiner und besitzt eine Korngröße zwischen 0,0063 und 0,063 Millimetern. Tonmineralteilchen sind noch kleiner. Zusätzlich zu den bereits genannten Bestandteilen können die Putze beispielsweise Farbpigmente und Fasern enthalten, die die Struktur stärken.

Regulierung der Luftfeuchte

Lehm ist als Baustoff in Deutschland nicht überall einsetzbar. Da normaler Lehmputz wasserlöslich ist, lässt sich er sich etwa im Außenbereich auf der Wetterseite eines Hauses eher nicht verwenden. Für Innenräume ist er dagegen oft sehr gut geeignet. Nicht zuletzt kann man Lehmputz in einem Bad auftragen. Das gilt zumindest an Stellen, die nicht andauernd stark durch Spritzwasser belastet sind. Lehmputze können die Feuchtigkeit und Wärme in einem Raum regulieren. Sie können hohe Luftfeuchtigkeit senken, indem sie Feuchtigkeit aus der Luft speichern. Das schaffen sie in einem höheren Maß als andere Baustoffe. So speichert der Putz aus Lehm zum Beispiel bis zu neunmal mehr Feuchtigkeit als Gipsputz. Das bringt im Bad Vorteile.

Beim Duschen steigt die Luftfeuchtigkeit schnell an
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Während des Duschens kann die Luftfeuchtigkeit im Badezimmer relativ schnell ansteigen und den optimalen Bereich übersteigen. Der liegt im Bad bei ungefähr 50 bis 70 Prozent und damit etwas höher als in den meisten anderen Räumen. Lehmputze können selbst den schnellen Anstieg der Luftfeuchte beim Duschen kompensieren und geben die gespeicherte Feuchtigkeit wieder ab, wenn die Luftfeuchte relativ trocken geworden ist. So hält der Putz den Feuchtigkeitslevel bestenfalls auf optimalen 50 Prozent. Das Risiko, dass sich der wasserlösliche Lehmputz im Badezimmer durch eine temporäre hohe Luftfeuchtigkeit und einen damit verbundenen hohen Sättigungsgrad vom Untergrund im Badezimmer ablöst, ist übrigens gering.

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Die hier beschriebene Luftfeuchte ist nicht vergleichbar mit der Feuchtigkeit, die auf einen Außenputz auf der Wetterseite eines Hauses einwirkt.

Lehmputze können noch mehr

Lehmputz kann nicht nur die Luftfeuchtigkeit beeinflussen, sondern auch Temperaturen. Ist es relativ warm, dann speichert der Putz die Wärme. Ist die Umgebung dagegen relativ kühl, dann gibt er sie wieder ab. Mit Lehmputz im Badezimmer ist das Bad also im warmen Sommer oft etwas kühler als andere Räume. Im kalten Winter ist es dagegen oft ein wenig wärmer. Und das sind noch immer nicht alle Vorteile.

Der Putz kann nämlich selbst Gerüche absorbieren und wirkt dadurch bis zu einem gewissen Grad wie ein Luftreiniger. Alle Eigenschaften zusammen tragen dazu bei, dass der Putz einen sehr positiven Einfluss auf das Raumklima hat.

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Nachteile gibt es allerdings auch: Eine Lehmputzschicht härtet oft etwas weniger aus als Kalkputz. Natürlich kann man Nägel einschlagen oder Bohrlöcher setzen – man sollte dabei allerdings etwas vorsichtiger sein.

Lehmputz verarbeiten ist nicht schwierig

In der Regel kann man selbst als Laie mit Lehmputzen arbeiten. Falls man kein sehr erfahrener Handwerker ist, sollte man dafür aber Fertigputze nutzen und keinen Putz selbst zusammenmischen. Als Untergrund für die Putzschicht sind viele Materialien geeignet. Infrage kommen beispielsweise Kalkwände, Beton oder Gipskarton. Auftragen kann man den Putz mit einer Kelle.

Grundsätzlich gilt: Je dicker die Lehmputzschicht ist, desto besser kann die Putzschicht eine regulierende Aufgabe übernehmen. Einige Experten empfehlen eine Schichtdicke von 15 bis 30 Millimetern. Allerdings weisen einige auch darauf hin, dass auch eine fünf Millimeter dicke Schicht bereits eine gewisse regulierende Wirkung entfaltet.

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Lehmputze können viel – aber nicht alles

Lehmputz im Bad kann die Luftfeuchtigkeit im Badezimmer wie in anderen Räumen regulieren, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Seine Wirkung ist gut. Man darf jedoch nicht davon ausgehen, dass der Putz durch seine Eigenschaften automatisch sämtliche Probleme rund um eine zu hohe oder niedrige Luftfeuchtigkeit löst.

Ist permanent sehr wenig oder sehr viel Feuchtigkeit in der Luft, reicht seine regulierende Funktion nicht aus, um für ein optimales Raumklima zu sorgen. Ist die Luftfeuchte nicht optimal, sollte man generell in einem ersten Schritt nach den Ursachen suchen. So kann eine sehr hohe Luftfeuchte beispielsweise an größeren Schäden in der Bausubstanz liegen. Würde man die nicht erkennen und beheben, könnten die Schäden irgendwann nahezu irreparabel werden.

Auch bei harmlosen Ursachen sollte man in einem zweiten Schritt überlegen, welche Maßnahmen die Luftfeuchte verbessern könnten.

Zimmerpflanzen im Badezimmer
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Es gibt viele Möglichkeiten, die Luftfeuchtigkeit zu beeinflussen. Neben Lehmputzen im Bad oder in anderen Räumen sind das unter anderem ein verändertes Lüftungsverhalten, mehr Zimmerpflanzen für eine erhöhte Luftfeuchte oder ein verändertes Verhalten beim Waschen oder Kochen für eine sinkende Luftfeuchte.

Nicht zuletzt kommen Klimageräte wie Luftentfeuchter oder Luftbefeuchter infrage. In der Regel reichen dafür kleinere Geräte aus. Oft sind es aber keine einzelnen Maßnahmen, die eine Verbesserung versprechen, sondern ganze Maßnahmenpakete.

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Wer selbst nicht handwerklich versiert ist, sollte solche Maßnahmen mit einem Experten absprechen. Ziel ist dabei immer dasselbe: Alle Parameter des Raumklimas im optimalen Bereich zu halten, sodass man sich in den eigenen Wänden wohlfühlt.