Schwarzschimmel an der Wand
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Welche Ursache haben mysteriöse schwarze Flecken an der Wand?

Als durchschnittlich gebildeter Mitteleuropäer ist man mit den hygienischen Unzulänglichkeiten unserer modernen Lebensweise nur zu gut vertraut. Es scheinen jedoch jegliche Erklärungsansätze ins Leere zu greifen, sobald sich über Nacht schwarze Flecken an der Wand bilden. Dies ist meist auf den Einfluss von Schwarzstaub zurückführen und kein Grund zur Besorgnis. Es kann sich jedoch in seltenen Fällen um einen Parasiten handeln, mit dem man die Wohnung nur sehr ungerne teilen möchte. Was wann zu tun ist, erfahren Sie hier!

Identische Optik: Schwarzstaub und Schimmel

Daher gilt es zunächst, den Übeltäter einwandfrei zu identifizieren, bevor man gezielte Gegenmaßnahmen ins Auge fasst. Nur ist das nicht so einfach, wie es anfangs aussehen mag: Beide Auslöser hinterlassen punktuelle oder großflächige schwarze Flecken an der Wand, die sich optisch nur geringfügig voneinander unterscheiden. Daher muss man leider auf Tuchfühlung gehen, um die Ursache zu ergründen: So lässt sich Schimmel besonders im Anfangsstadium noch leicht von den Wänden wischen oder abkratzen. Schwarzstaub hält sich hartnäckiger und fühlt sich leicht klebrig an.

Mysteriöse schwarze Flecken an der Wand - Schimmel oder Schwarzstaub?
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It’s Magic

Nun steht man jedoch vor dem Problem, dass die Antwort gleich mehrere neue Fragen aufwirft: Wie kann sich so viel Staub in der Wohnung und der Luft ansammeln, dass er deutlich sichtbare schwarze Flecken an der Wand hinterlässt? Ist das Phänomen womöglich gesundheitsschädlich? Und warum tritt es zuweilen so blitzartig auf?

Also alles der Reihe nach: Der Effekt ist seit Mitte der 90er bekannt und tritt in 90 Prozent aller Fälle während der ersten Heizperiode auf, die auf umfangreiche Renovierungsarbeiten folgt.

Bei der Verfärbung (wird oft auch als „Magic Dust“ oder „fogging“ bezeichnet) handelt es sich um einen rußigen, öligen Staubfilm, der bei Tageslicht schwarz oder gräulich schimmert.

Der Begriff stammt aus dem KFZ-Wesen. So waren dort schwarze Flecken an der Windschutzscheibe dafür verantwortlich, dass sich das Sichtfeld des Fahrers empfindlich einschränkte.

Gründliche chemische Analysen offenbarten dessen Herkunft: Die Flecken bestehen aus den Abbauprodukten mittelflüchtiger organischer Stoffe (sogenannten SVOC-Verbindungen). Diese werden in künstlichen Weichmachern verwendet und sind daher theoretisch in jeder Wohnung zu finden. So sind SVOC-Verbindungen u.a. enthalten in:

  • Bau- und Verpackungsmaterialien
  • Bodenbelägen
  • Wandfarben
  • Klebstoffen
  • Elektrogeräten

Daneben gelten Rußbestandteile, die beim Rauchen und beim Abbrennen von Kerzen oder Räucherstäbchen freigesetzt werden, als Auslöser der Verfärbungen: So sind SVOC-Verbindungen an sich farblos und produzieren durchsichtige Flecken, weshalb sie lange übersehen werden können. Befinden sich jedoch genügend Rußpartikel in der Luft, haften sie am organischen Material und färben es schwarz.

Staub wird aus einer Heizung entfernt
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Darüber hinaus spielt die Oberflächentemperatur der Außenwände eine entscheidende Rolle: So zeigt sich der Effekt ungewöhnlich häufig oberhalb von Heizkörpern oder an Wärmebrücken. Letzteres sind Abschnitte der Wand, in denen viel Metall verbaut wurde und die daher weniger Wärme speichern können. Klassische Beispiele dafür sind Lüftungsschächte und auch Rollladenkästen.

Dem Bundesumweltamt zufolge gehen vom Fogging keine unmittelbaren Gesundheitsgefahren aus. Dennoch sollten schwarze Flecken an der Wand zeitnah entfernt werden, da sich die SVOC-Verbindungen in der Luft anreichern und die Atemwege reizen können.

Schwarzstaub entgegenwirken

Dabei sind im ersten Schritt die befallenen Tapeten zu entfernen. Anschließend müssen die Stellen gründlich gereinigt werden. Dazu genügt Wasser und handelsübliches Spülmittel. Um zu verhindern, dass die Flecken kurz darauf zurückkehren, müssen jedoch noch ein oder zwei Ursachen beseitigt werden. Das kann durch bauliche Maßnahmen geschehen, aber auch, indem man das Raumklima ein wenig modifiziert: Je niedriger die Temperaturschwankungen in der Wohnung ausfallen, umso seltener werden die Verfärbungen wiederkehren. Daher ist es in diesem Fall zu empfehlen, die Räume Tag und Nacht kontinuierlich durchzuheizen. Flächensysteme, wie etwa Fußbodenheizungen, erzielen hierbei die gleichmäßigsten Ergebnisse.

Zudem sollte im Zuge der Renovierungsarbeiten auf lösungsmittelfreie Produkte zurückgegriffen werden. Sie sind inzwischen in den meisten Baumärkten erhältlich und werden nicht selten als Anti-Fogging-Farben bzw. -Kleber beworben. Darüber hinaus lohnt sich der Einbau automatischer Lüftungsanlagen oder der Einsatz von Luftreinigern. Auch Luftbefeuchter können dabei behilflich sein, den Staub zu binden. Entscheidend ist in jedem Fall, dass das System über einen Aktivkohlefilter verfügt, der die Luft frei von Schadstoffen hält.

       Luftreiniger Defensor PH15         Luftbefeuchter B 120

Warum wachsen Pilze an der Wand?

Leider können schwarze Flecken an den Wänden auch auf Schimmelbefall hinweisen. Und der Schimmel-Parasit bevorzugt exakt das Raumklima, das eigentlich benötigt wird, um Fogging vorzubeugen: Konstante Raumtemperaturen um die 20 °C und erhöhte Luftfeuchtigkeit. Ebenso wie Schwarzstaub lässt er sich häufig an Wärmebrücken registrieren. Hier kondensiert die Luftfeuchtigkeit an der relativ kühlen Wand und bildet feuchte Flecken. So hat der Schimmel leichtes Spiel und nistet in der Tapete, aus deren Zellulose-Bestandteile er seine Nährstoffe erhält. Neben den negativen, optischen Aspekten ist hier vor allem aus gesundheitlichen Gründen Eile geboten: Die erhöhte Sporenkonzentration in der Luft verstärkt Atemwegserkrankungen, kann Allergien auslösen und wird für zahlreiche Zivilisationskrankheiten mitverantwortlich gemacht. Hierbei sind Senioren, Kinder und chronisch Kranke besonders gefährdet.

Kind mit Asthma Spray
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Wie eingangs erwähnt, genügt ein flüchtiger Blick nicht, um den Übeltäter eindeutig zu identifizieren. Besonders feine Nasen werden den Parasiten am modrigen Geruch erkennen. Ansonsten hilft nur noch ein Schimmeltest aus der Apotheke, mit dem sich die Sporenkonzentration in der Raumluft exakt bestimmen lässt.

Schimmel entfernen und vorbeugen

Die Beseitigung selbst ist wiederum relativ simpel, solange der Befall noch nicht allzu weit fortgeschritten ist: Zunächst ist er mit Reinigungsmitteln mit einem Alkoholgehalt von mindestens 80 Prozent zu behandeln. Der Pilz trocknet dann innerhalb weniger Tage vollständig aus und lässt sich leicht von der Wand lösen. Der Prozess lässt sich mit chemischen Mitteln wesentlich schneller umsetzen, birgt im Gegenzug aber auch höhere Gefahren für die Gesundheit. Unabhängig davon, welches Gegenmittel verwendet wird, gilt es grundsätzlich darauf zu achten, dass dem Raum dauerhaft Frischluft zugeführt wird, um erneutem Schimmelbefall vorzubeugen.

Schimmel Entfernung mit Alkohollösung in Spray Flasche
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Weitere prophylaktische Maßnahmen zielen darauf ab, eine der Lebensgrundlagen des Schimmels aus der Wohnung zu verbannen. Das betrifft

  • seine Nährstoffquelle (organische Materie)
  • die erhöhte Luftfeuchtigkeit (ab 55 Prozent)
  • Temperaturen über dem Gefrierpunkt

Der erste Punkt scheidet aus, weil die Wohnung restlos ausgeräumt werden muss, damit sie vollkommen frei von organischer Materie ist. Auch der dritte ist im menschlichen Wohnumfeld kontraproduktiv. Somit verbleibt die Begrenzung der Luftfeuchtigkeit als einzige Option, um Schimmelbefall zu vermeiden. Dabei ist das Lüftungsverhalten von entscheidender Bedeutung: Werden die Fenster tagsüber dauerhaft im Kippmodus arretiert, kann die Raumluft nicht schnell genug zirkulieren und ausgetauscht werden. Stattdessen sollten drei- bis viermal täglich für etwa 10 Minuten kräftige Stoßlüftungen durchgeführt werden. Wer sich die Mühe ersparen möchte, darf aber selbstredend auch auf Luftentfeuchter zurückgreifen, die denselben Effekt erzielen.

Luftentfeuchter Dehumid 9

Fazit: Schwarze Flecken an der Wand sind als Warnhinweis zu deuten

Das Mysterium der schwarzen Flecken hat sein Geheimnis damit vollständig preisgegeben. Seine Ursachen lassen sich demnach auf chemische und mikrobiologische Prozesse zurückführen und sind keineswegs magischer Natur. Was nur bedingt ein Grund zur Entwarnung ist: So ist Schwarzstaub in erster Linie ein optischer Mangel. Mit Schimmelbefall geht aber eine nicht zu unterschätzende gesundheitliche Gefährdung einher, sodass promptes Handeln erforderlich wird. In dem Zusammenhang sei noch angemerkt, dass der Pilz nicht automatisch in Eigenregie ausgemerzt werden sollte: Wenn der Befall die Fläche von 0,5 Quadratmeter übersteigt, ist mit ziemlicher Sicherheit bereits die Bausubstanz angegriffen. Daher ist es in diesem Fall meist effektiver und letztlich auch günstiger, ein zertifiziertes Reinigungsunternehmen damit zu beauftragen, den Schimmel zu entfernen.