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Schwarzschimmel bekämpfen

« Wie gefährlich sind die schwarzen Schimmelpilze wirklich? »

Zyniker behaupten, dass von allen parasitären Lebensformen im urbanen Umfeld, der schwarze Schimmel den denkbar schlechtesten PR-Berater engagierte. Schließlich ertönt bei Eigenheimbesitzern und professionellen Reinigungsunternehmen regelmäßig der Alarmruf, dieser auftaucht. Auch sein schädlicher Einfluss auf die Gesundheit gilt als allgemeiner Konsens. Doch ist er tatsächlich so gefährlich oder wird das Ganze übertrieben? Und wie kann man Schwarzschimmel bekämpfen?

Zwei Seiten einer Medaille

Unter dem Sammelbegriff Schwarzschimmel werden nicht weniger als verschiedene 40 Pilz-Arten vereint, von denen jedoch nur eine wirklich gefährlich für Menschen und Haustiere werden kann. Dagegen haben sie alle die Eigenschaft, sich bevorzugt auf organischer Materie anzusiedeln. Im Haushalt findet man schwarzen Schimmel somit überwiegend auf Lebensmitteln, vereinzelt jedoch auch auf organischen Werkstoffen, wie Holz, Naturfasern, auf Kohlenstoff basierenden Kunststoffen und sogar Glas. Er gilt als besonders aggressiv, weil er bei niedrigen pH-Werten Zitronensäure ausscheidet, was sich die Lebensmittel- und Tierfutterindustrie zunutze macht, um verschiedene Enzyme aufzuspalten.

Schwarzschimmel im Haus
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Schon daran lässt sich ablesen, dass schwarzer Schimmel keine größeren Auswirkungen auf den menschlichen Organismus verursacht, als viele seiner Artverwandten. Völlig anders verhält es sich dagegen beim Alternaria Alternata, dessen Sporen die Raum-Luft mit Mykotoxinen anreichert und der im Verdacht steht, Neurodermitis und allergische Reaktionen auszulösen. Wenn die Sporenkonzentration in der Luft weiter ansteigt, zeigen sich zudem unspezifische Symptome, wie

  • Magen-Darm-Irritationen
  • Migräne
  • brennende, tränende Augen
  • Atemnot
  • Entzündungen der Atemwege und Schleimhäute
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schlafstörungen
  • verringerte Sehfähigkeit

Dabei sind Senioren, Kinder, Menschen mit Vorerkrankungen bzw. geschwächtem Immunsystem sowie Haustiere besonders gefährdet. So kann schwarzer Schimmel bei Vögeln und Hunden eine schmerzhafte Aspergillose (durch Toxine ausgelöste Entzündungsreaktion) hervorrufen. Nachdem der Schimmel in der Wohnung entdeckt wurde, ist eiliges Handeln somit nicht gänzlich unbegründet. Insbesondere im Hinblick auf die Unversehrtheit der Bausubstanz ist es auf der anderen Seite natürlich empfehlenswert, den Pilz gar nicht erst entstehen zu lassen.

Unrealistisch: Schwarzschimmel im Gefrierfach

Dazu gilt es, zumindest eine der drei Grundvoraussetzungen für das Wachstum von Schwarzschimmel zu bekämpfen bzw. gar nicht erst aufkommen zu lassen. Neben einem organischen Nährboden betrifft dies die klimatischen Verhältnisse (also Temperatur und Luftfeuchtigkeit) in der Wohnung. Während sich ersteres aus einer menschlichen Behausung nicht verbannen lässt, bieten sich bezüglich der Klimatechnik gleich mehrere Ansätze, um Schwarzschimmel zu bekämpfen. Denn wie seine Artverwandten, gedeiht der Schimmelpilz bei Temperaturen von 6 bis 47 Grad Celsius. Ideale Bedingungen findet er bei 35 bis 37 Grad vor, während seine Sporen bei Temperaturen unter -22 Grad unweigerlich absterben. So obliegt es nun den persönlichen Präferenzen des jeweiligen Eigenheimbesitzers, ob er dauerhaft brütend heiße oder eiskalte Bedingungen in seinem Wohnzimmer dulden möchte, um dem Wachstum von Schimmel vorzubeugen.

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Wesentlich zielführender dürfte da die Regulierung der Luftfeuchtigkeit mittels Luftbefeuchter und Luftentfeuchter sein. Leider weist der Parasit aber auch dabei ähnliche Wohlfühlwerte wie seine Zielgruppe auf: Unterhalb der relativen Luftfeuchtigkeit von 30 % ist Schimmelwachstum nahezu ausgeschlossen. Nach oben existiert jedoch keine Grenze, sodass der Pilz umso wilder wuchert, je mehr Feuchtigkeit in der Luft gebunden ist. Da so niedrige Feuchtigkeitswerte auch negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben, ist hier ein gewisser Kompromiss einzugehen: Die optimale Luftfeuchte in geschlossenen Räumen beträgt 40 – 60 Prozent.

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Höhere Werte treten insbesondere kurz nach dem Kochen und Duschen auf und sollten möglichst schnell durch Zufuhr frischer Luft heruntergeregelt werden. Gewiefte Eigenheimbesitzer vertrauen dabei der Anzeige von Messgeräten wie digitalen Hygrometern, mit denen sich die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung ganz exakt bestimmen lässt. Somit entfällt inzwischen die Notwendigkeit, die Räume auf bloßen Verdacht hin zu lüften. Vor allem in den Funktionsräumen (Bad, Küche und Keller) hat sich zudem der Einsatz mobiler oder auch fest installierter Luftentfeuchter bewährt, um der Schimmelgefahr vollautomatisch entgegenzuwirken.

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Letzten Endes gleichen sich die idealen Lebensbedingungen der menschlichen Bewohner und der parasitären Lebensform allerdings zu stark, um dem Schimmelwachstum in der Wohnung allumfassend vorzubeugen. Doch ist selbst damit noch kein Grund gegeben, atemlos nach Luft zu schnappen, da es nicht allzu kompliziert ist, den Schimmel wieder zu entfernen.

Schwarzschimmel bekämpfen: Nur etwas für Profis?

Bevor damit begonnen werden kann, muss allerdings zunächst ermittelt werden, welchem „Feind“ bzw. welcher Schwarzschimmel-Art man in den eigenen vier Wänden gegenübertritt. So ist mit dem Alternaria Alternata auch hierbei nicht zu spaßen: Wird er unsachgemäß entfernt, verteilen sich seine toxischen Sporen über die Luft mitunter in der gesamten Wohnung. Wenige Monate später wird man den gefährlichen Schwarzschimmel dann nicht nur an einer, sondern gleich in dutzenden befallenen Ecken bekämpfen müssen. Der Alternaria Alternata darf daher nur von autorisiertem Fachpersonal entfernt werden.

Schwarzschimmel bekaempfen nur etwas fuer Profis
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Um die Art zu bestimmen, bedarf es aber keines vollausgestatteten Labors: Gängige Schimmel-Tests lassen sich im Netz oder der Apotheke bereits ab 50 Euro erwerben. Stellt sich der Übeltäter dabei als herkömmlicher Schwarzschimmel heraus, kann man aber wie gewohnt vorgehen. So wirken wassertreibende Haushaltsmittel, wie Reinigungsalkohol, Wasserstoffperoxid und chlorhaltige Reinigungsmittel ebenso tödlich auf ihn, wie auf seine farbenfrohen Verwandten. Sollte der Befall sehr großflächig daherkommen oder sich sogar über mehrere Räume erstrecken, kann auch hier der Einsatz elektrischer Luftentfeuchter nicht schaden, um den Prozess zu beschleunigen. Nachdem er vollständig ausgetrocknet ist, ist dann wie folgt vorzugehen, um den Schwarzschimmel zu bekämpfen:

  1. Um die Sporenbelastung möglichst gering zu halten, muss der Wohnung während der Arbeit ständig frische Luft zugeführt werden. Das erreicht man am einfachsten, indem man zwei gegenüberliegende Fenster öffnet, sodass ein konstanter Durchzug entsteht.
  2. Die befallenen Stellen sind nun mithilfe einer kleinen Bürste oder eines Handfegers vorsichtig zu reinigen. Um besonders hartnäckigen Schimmel zu entfernen, muss man aber auch schon mal mit feinem Schmirgelpapier operieren. Wichtig: Hierbei grundsätzlich persönliche Schutzausrüstung in Form einer Atemmaske der Schutzklasse P3 und Gummihandschuhe anlegen!
  3. Anschließend ist der gesamte Arbeitsbereich großflächig abzusaugen. Hierbei gilt es zu beachten, dass Schwarzschimmel nur mit Geräten, die mit speziellen Hepafiltern ausgerüstet wurden, aufgesaugt werden darf.

Natürlich ist es überflüssig zu erwähnen, dass Allergiker und andere Risikogruppen jene Arbeiten besser delegieren und nicht selbst in Angriff nehmen sollten. Und dennoch hat sich das schwarze „Schreckgespenst“ eher als durchschnittlicher Parasit erwiesen.

Schwarzschimmel in der Wohnung ist nicht unbedingt ein Grund zur Panik

Wir halten fest: Schwarzschimmel ist bis auf eine Ausnahme nicht gesundheitsschädlicher als andere Schimmelarten. Ihren schlechten Ruf verdankt sie vielmehr dem Umstand, dass sie Zitronensäure ausscheidet und daher auf Dauer jeden noch so stabilen Baustoff gefährlich destabilisieren kann. So kann er mitunter schon im Keller tragende Elemente befallen.

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Ist der Pilz erstmal im Dachstuhl angelangt, ist die Bausubstanz jedoch bereits erheblich geschädigt. Unter Umständen droht dann sogar Einsturzgefahr! Dennoch lässt sich dem Schimmel durch regelmäßiges Lüften sowie dem gezielten Einsatz elektrischer Luftentfeuchter wirksam vorbeugen. Auch der Reinigungsvorgang löst bei langjährigen Eigenheimbesitzern nur ein müdes Lächeln aus. Abschließend lässt sich somit festhalten, dass die irrationale deutsche Paranoia mit dem „lebensgefährlichen“ Schimmel in der Wohnung sich mal wieder selbst übertroffen hat.