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Luftfeuchte und Taupunkt berechnen

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Raumluft kann nicht unbegrenzt Feuchtigkeit aufnehmen. Je kälter sie wird, desto geringer ist ihre Aufnahmekapazität. Das kann zu einem Problem werden. Feuchte Wände und Decken durch kondensiertes Wasser sind das Ergebnis und drohen immer dann, wenn die Luft den Taupunkt erreicht – also zu 100 Prozent mit Wasserdampf gesättigt ist. Deshalb kann es nicht schaden, sich ein wenig mit dem Taupunkt und der Taupunktberechnung zu beschäftigen, um Feuchtigkeitsschäden in der Wohnung zu verhindern.

Man unterscheidet absolute und relative Feuchtigkeitswerte

Für eine Taupunktberechnung sollte man zunächst absolute und relative Feuchtigkeitswerte der Raumluft unterscheiden. Der absolute Wert steht für die absolute Menge Wasser in der Luft und wird in Gramm pro Kubikmeter (g/m³) gemessen. Der relative Wert gibt an, zu wie viel Prozent die Raumluft bereits mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Bei einem Wert von 100 Prozent entspricht die absolute Menge Wasser in ihr der maximalen Aufnahmekapazität. Weiter zugeführter Wasserdampf würde zum Beispiel an Wänden und Decken kondensieren.

Luftfeuchtigkeit in der Wand messen
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Die relative Luftfeuchte hängt von der Temperatur ab

Abhängig ist der rel. Luftfeuchtigkeitswert von der absoluten Menge Wasser in der Luft und von der Lufttemperatur. Kältere Raumluft kann weniger Wasserdampf aufnehmen als wärmere. Deshalb steigt die rel. Feuchtigkeit der Luft bei sinkender Raumtemperatur, auch wenn die absolute Wassermenge in ihr gleichbleibt. Ein Beispiel:

Thermo-Hygrometer 9026Bei einem Temperaturwert von 15 Grad Celsius kann Raumluft maximal 12,8 g/m³ Wasser speichern. Diese Menge entspricht einem rel. Feuchtewert von 100 Prozent. Bei 25 Grad Celsius ist die Sättigung aber erst bei 23 g/m³ erreicht. 12,8 g/m³ entsprechen dann nur noch einer rel. Luftfeuchtigkeit von etwa 55,5 Prozent. Die Optimalwerte in den meisten Räumen einer Wohnung liegen bei 40 bis 60 Prozent. Sowohl absolute als auch rel. Feuchtigkeitswerte kann man messen: die absoluten Werte mit einem Feuchtigkeitsmessgerät.

Für verhältnismäßige Werte eignet sich ein Thermo-Hygrometer, das zusätzlich Temperaturen misst.

Relative Feuchtigkeitswerte kann man berechnen

Kennt man durch eine Messung mit einem Feuchtigkeitsmessgerät die absolute Feuchtigkeit in der Luft, lässt sich die relative Luftfeuchte berechnen. Dazu benötigt man zusätzlich die Temperatur im Raum und die maximale Wasserspeicherkapazität der Raumluft bei dieser Temperatur. Angaben dazu findet man im Internet. Zur Berechnung nutzt man die Formel:

„Absolute Feuchtigkeitsmenge“ geteilt durch „maximal mögliche Feuchtigkeitsmenge bei bestehendem Temperaturwert“ x 100“.

Alternativ zum Rechnen mit einer Formel kann man einen Onlinerechner nutzen.

Taupunkttemperatur: 100 Prozent relative Luftfeuchtigkeit

Der Taupunkt wird in Grad Celsius angegeben. Er steht für die Raumtemperatur, bei der die relative Luftfeuchtigkeit 100 Prozent erreicht. Wird der Raumluft weiter Feuchtigkeit zugeführt, kondensiert das überschüssige Wasser. Kennt man die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit eines Raumes, lässt sich der Taupunkt berechnen. Die Formel dafür ist jedoch komplizierter als die, mit der sich die Luftfeuchte berechnen lässt. Hier sollte man deshalb auf jeden Fall einen Onlinerechner nutzen. Beispiele für Berechnungen:

Bei 20 Grad Celsius im Raum und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit, liegt der Taupunkt bei ungefähr 12 Grad Celsius. Steigt der Raumtemperaturwert auf 25 Grad, steigt die Taupunkttemperatur auf 16,7 Grad Celsius. Den Taupunkt zu berechnen, ist beispielsweise in der Meteorologie wichtig. Es ist in der Bauphysik bedeutsam, weil fehlerhafte Dämmmaßnahmen bisweilen dafür sorgen, dass Wasser in der Luft mit allen negativen Folgen innerhalb des Raums kondensiert. Diese Kondensation kann unter anderem das Wachsen von Schimmelpilzen begünstigen. In Lagern und Produktionshallen sollte man den Taupunkt berechnen und berücksichtigen, um Lagergut beziehungsweise Produkte vor Feuchtigkeit zu schützen.

Thermo-Hygrograph OPUS 20, PoE

Die Temperaturen in einem Raum sind nicht überall gleich

Ein Raum ist nicht überall gleich warm. Ein banales, aber eingängiges Beispiel: Direkt an der Heizung ist es oft wärmer als weiter vom Heizkörper entfernt. Besonders kühl sind die Temperaturen zumeist an einer sogenannten Wärmebrücke. So werden Bereiche einer Immobilie bezeichnet, an denen die Wärme besonders schnell aus dem Raum entweicht. Das kann zum Beispiel bei schlecht gedämmten Fenstern der Fall sein.

Elektronisches Handmessgerät 9007Prädestiniert sind daneben unter anderem Ecken von Außenwänden. Bei ihnen handelt es sich unter Umständen um sogenannte geometrische Wärmebrücken. Rollladenkästen sind bisweilen konstruktive Wärmebrücken und beim Aufeinandertreffen von Baumaterialien mit verschieden hoher Wärmeleitfähigkeit können materialbedingte Wärmebrücken entstehen. Bei jeder einzelnen Wärmebrücke sinkt die Raumtemperatur und sie kann soweit absinken, dass der Taupunkt der Raumluft überschritten wird. Wasser kondensiert. Bauteile werden feucht.

Luftentfeuchter und Heizungen verändern die Bedingungen

Bauliche Veränderungen in einem Raum sorgen bisweilen dafür, dass Luft plötzlich an Stellen im Raum die Taupunkttemperatur erreicht, an denen das zuvor nicht der Fall war. Das kann zum Beispiel bei einer fehlerhaften Innendämmung eines zuvor ungedämmten Hauses geschehen. Verändert man die Luftfeuchtigkeit oder das Heizverhalten, hat das ebenfalls Einfluss darauf, ob Raumluft im Raum den Taupunkt erreicht oder nicht. So entzieht ein Luftentfeuchter dem Raumklima Wasser, sodass die absolute Feuchtigkeitsmenge sinkt. Bei gleichbleibender Temperatur sinkt damit auch der relative Feuchtigkeitswert.

Heizt man die Raumluft zudem auf, steigt ihre Speicherkapazität und der relative Feuchtigkeitswert sinkt weiter. Dadurch reduziert sich das Risiko deutlich, dass Wasser im Raum kondensiert und gemeinsam mit organischen Materialien wie Papiertapeten oder Holz einen idealen Nährboden für Schimmelpilze abgibt.

Luftentfeuchter Dehumid 9H

Man sollte sich allerdings stets bewusst sein, dass höhere Raumtemperaturen in der Regel auch höhere Energiekosten bedeuten. Hier gilt es, abzuwägen, wie hoch man die Heizung drehen muss, um effizient optimale Feuchtigkeitswerte und Wohlfühltemperaturen zu erreichen. Nicht zuletzt gilt: Die Luftfeuchtigkeit in einem Raum ist bisweilen auch zu niedrig.

Liegt sie deutlich niedriger als der untere Wert des optimalen Bereichs (zumeist 40 bis 60 Prozent), ist zwar das Risiko gering, dass man den Taupunkt erreicht. Allerdings steigt das Risiko, eine Infektionskrankheit wie eine Erkältung zu bekommen. Auch hier wird man also ein gesundes Mittelmaß finden müssen.